• Kristin Zimmer

Schwangerschaftsdiabetes & Wassereinlagerungen vorbeugen

Viele Schwangere sind davon betroffen. Meist von beidem gleichzeitig, da beides im Grunde mit einer Überforderung der neuen Stoffwechselsituation einhergeht. Frühe Wassereinlagerungen können ein Zeichen eines sich entwickelnden Schwangerschaftsdiabetes sein. Ein paar simple Tipps und Tricks aus den Bereichen Ernährung & Bewegung möchte ich deshalb unbedingt weiterreichen. Vorab starten wir mit ein paar Basics zu den beiden Themen, damit ihr die Tipps im Anschluss auch besser nachvollziehen könnt.


Schwangerschaftsdiabetes


Besonders ab der 2. Schwangerschaftshälfte führt ein weiterer Anstieg von Hormonen zu einem erhöhten Bedarf an Insulin (welches blutzuckersenkend wirkt - bedeutet, es transportiert den 'Zucker' raus aus dem Blut und in die Körperzellen, wo es weiter verarbeitet wird). Wenn der mütterliche Stoffwechsel diesem Bedarf an Insulin nicht nachkommt, steigt dementsprechend der Zuckerspiegel im Blut. Das wird regulär um die 25. Schwangerschaftswoche herum getestet.


Als 'Risikopatienten' gelten jene Frauen mit Übergewicht und genetischer Veranlagung. Jedoch sehen wir heute weit mehr Frauen ohne diese beiden Komponenten, die damit diagnostiziert werden. Seit etwa 15 Jahren wird eine kontinuierliche Zunahme an Schwangerschaftsdiabetes protokolliert, was unter anderem daran liegen könnte, dass wir heute einfach später schwanger werden, als früher, oder auch daran, dass viel mehr getestet wird.


Eine von 20 Frauen erhält die Diagnose, was den sogenannten 'Gestationsdiabetes' damit zu der häufigsten Schwangerschaftskomplikation macht, die mit Risiken wie Bluthochdruck, verstärkten Wassereinlagerungen, Harnwegsinfekte, Schwangerschaftsvergiftung, Früh- & Kaiserschnittgeburten und sehr schweren Babies einhergehen kann.



Wassereinlagerungen


Über das Blut werden Boten- & Nährstoffe durch den Körper transportiert. Das Blutplasma besteht zu 90% aus Wasser. Ein großer Teil dieser gelösten Stoffe wird in das Gewebe abgegeben, um die entsprechenden Organe und Zellen zu nähren. Dadurch entsteht 'Gewebsflüssigkeit', die im Idealfall durch die Kraft des Herzens dann in die Venen abgegeben wird und damit zurück zum Herzen gelangt. Ein weiterer Teil mit größeren Molekülen (zB Eiweißstrukturen) muss über das Lymphsystem abtransportiert werden.


Bestenfalls ist dieser Vorgang im Gleichgewicht, heißt, es wird genauso viel wieder abtransportiert, wie antransportiert wird.


Was ist daran am stärksten beteiligt?


  • Herz, Leber & Nieren

  • Venen

  • Lymphgefäßsystem

  • Hormonelle Regulation

  • keine Entzündungen im Körper


Nun kommt die Schwangerschaft daher mit ihren vielen körperlichen Veränderungen. Im Verlauf der Schwangerschaft steigert sich das Blutvolumen um bis zu 50-60% ! Da kann der 'Abtransport' oft einfach nicht mehr mithalten, und es bleibt zu viel Gewebsflüssigkeit übrig, die wegen der Schwerkraft natürlich besonders stark in Beinen, Füßen, Armen und Händen auftritt. Auch arbeitet die Wadenmuskelpumpe, die die Arbeit der Venen unterstützt, oft weniger effizient. Weiterhin kann das heranwachsende Kind und die vergrößerte Gebärmutter auf die Gefäße im Becken drücken und damit weiterhin des Rückfluss des Blutes nach oben behindern.


Im Allgemeinen sind diese Wassereinlagerungen in der Schwangerschaft ungefährlich und nur unangenehm. Sollten sie sehr plötzlich auftreten und auch im Bereich des Gesichts, im schlimmsten Fall zusammen mit Bluthochdruck, sollte sofort in der gynäkologischen Ambulanz angerufen werden, da dies Zeichen für eine Schwangerschaftsvergiftung sind.


Welches ist das wichtigste Trimester, um solchen 'Komplikationen' vorzubeugen?


Trimester Null.


Mit diesem Thema, auch 'Trimester Zero' genannt, werde ich mich in Zukunft noch sehr eingehend beschäftigen. Ich wollte es aber auch hier schon unbedingt einbringen, auch wenn es noch viele Tipps für die Zeit während der Schwangerschaft gibt - die wichtigste Prävention findet VOR jeder Schwangerschaft statt.


Und zwar am besten 1-2 Jahre vorher. Natürlich sind die wenigsten Schwangerschaften strikt geplant, aber wenn ich als Frau weiß, dass ich in den nächsten 1-2 Jahren Kinder haben möchte, dann kann ich anfangen, mein Leben und meine Gewohnheiten anzupassen. So habe ich es gemacht und davon sehr profitiert. Eine absolut unkomplizierte Schwangerschaft, ohne starke Übelkeit, allgemeine Müdigkeit, Erkältungen, Wassereinlagerungen, Stimmungsschwankungen, Verdauungsprobleme. Ich dachte zuerst, dass viel damit mit 'Glück' zutun hat, aber nachdem ich einige Tage verreist war, verbunden mit starkem emotionalem Stress, dem Fehlen meiner Routine aus Yoga, Meditation & Spaziergängen und meiner eingespielten Ernährung merkte ich sofort: Das ist kein Glück. Das habe ich mir aufgebaut. Schon nach ein paar Tagen fühlte ich mich völlig ausgelaugt, spürte leichte Wassereinlagerungen und Sodbrennen. Zurück zu Hause, in meiner Routine, war alles wieder in Ordnung.


Welche Fragen sollte ich mir also stellen, wenn ich in den nächsten Jahren schwanger werden möchte?


  • Wie gut ist meine Darmgesundheit ?

  • Wie gut nehme ich Nährstoffe auf? (bin ich vital und voller Energie? Hat meine Haut einen guten, natürlichen Sonnenschutz? Fallen Haare aus oder werden dünner? ...)

  • Wie gut funktioniert meine Leber ? (Bin ich viel müde? Leide ich unter PMS?)

  • Hat sich mein Stoffwechsel in den letzten Jahren verlangsamt?

  • Ist meine Schilddrüse ok ? (testen lassen!)

  • Trinke ich viel Alkohol und Kaffee ?

  • Ernähre ich mich ausgewogen, oder eher einseitig?

  • Ist mein Zyklus regelmäßig ?

  • Kann ich auf qualitativ minderwertige Tierprodukte, vor allem Milchprodukte, verzichten ?


Warum sind diese Fragen so wichtig? Ganz einfach: Weil alles mit deinem Stoffwechsel zusammenhängt, und du willst diesen entlastet und voll funktionsfähig haben. Außerdem halte ich es für schlau, wenn die Schwangerschaft wenig Veränderungen aus Nahrung + Getränken mitbringt! Stell dir vor, dass sich sowieso schon so vieles in deinem Körper ändert, und jetzt muss dein Körper verzichten, was er regelmäßig bekam (zB Alkohol und Kaffee). Das ist zusätzlicher Stress!


Ganz wichtig ist für Frauen der Konsum von Milchprodukten, vor allem minderwertiger Qualität, die voller Hormone und Antibiotika stecken. Bitte hier investieren !


Insulin wird von der Bauchspeicheldrüse produziert. Diese wird besonders belastet durch Alkoholkonsum, Rauchen, Übergewicht und Bewegungsmangel ! Es wäre also auch hier eine gute Idee, an diesen Punkten anzusetzen bevor man schwanger wird. Regelmäßige Bewegung, wenig Alkohol und ballaststoffreiche Ernährung sind die beste Prävention für eine gesunde Bauchspeicheldrüse. Und eine gesunde Bauchspeicheldrüse beugt nicht nur der Entstehung von Diabetes vor, sondern sorgt auch für eine rundum gute Verdauung durch die wichtigen Verdauungsenzyme, die sie zur Verfügung stellt.


Fragen aus dem Bereich der Psyche / des Mindset, die mindestens genauso wichtig sind! Denn eine Schwangerschaft, vor allem die erste, steht für den größten Wandel in unserem Leben. Unsicherheiten hier können das Wohlbefinden stark beeinträchtigen, vor allem bei dem leidigen Thema extreme Übelkeit und Erbrechen.


  • Wie geht es mir mit meiner Wohnsituation?

  • Wie fühle ich mich in meinem Job?

  • Wie harmonisch ist die Beziehung zum Partner?

  • Weiß ich, wie ich mir helfen kann, wenn meine Emotionen Achterbahn fahren?


An alle die sich gerade denken, na toll, zu spät! Ich bin doch jetzt schon schwanger! Legen wir los :)


Tipps zur natürlichen Blutzuckerkontrolle


  • Bewegen ! Denn Bewegung kurbelt den Stoffwechsel an... so einfach !

  • Stressmanagement : Stress fördert die Ausschüttung von Cortisol, was deine Insulinproduktion beeinträchtigen kann. Mein Tipp: Yoga & Meditation, Journaling: Bringe deine Gedanken und Sorgen zu Papier!

  • Bitte nicht zu lange warten mit dem Essen, bis der Hunger schon an dir nagt! Das lässt deinen Blutzuckerspiegel so stark fallen, und dementsprechen viel stärker ansteigen. Lass die Achterbahnfahrt nicht zu wild werden! Besonders in der Schwangerschaft helfen viele kleine Snacks, am besten aus gesunden Kohlenhydraten, denn diese versorgen über einen langen Zeitraum mit Energie und der hohe Gehalt an Ballaststoffen sorgt dafür, dass der Umbau zu Glukose langsam geschieht. In den ersten drei Monaten kann ein kleiner Snack bei den ersten Anzeichen von Übelkeit lebensrettend sein.

  • Gesunde & ausgewogen ernähren: naturnahe, unverarbeitete Produkte, selbst kochen, genügend Wasser trinken, komplexe Mahlzeiten mit allen Nährstoffgruppen zu sich nehmen (Kombination aus Kohlenhydraten, Fetten & Eiweiß - zB wenn du einen Smoothie zubereitest: Achte darauf, dass nicht nur Obst enthält, sondern am besten noch etwas Grünes und ein wenig Avocado und / oder Nussbutter, und immer eine Prise Zimt! )

  • Ballaststoffe verlangsamen die Aufnahme des Zuckers ins Blut und kurbeln die gesamte Verdauung an ! Heißt: viel Obst und Gemüse Flohsamenschalen täglich in Joghurt oder Wasser - danach immer mindestens 300ml Wasser nachtrinken

  • Haferflocken

  • Zimt

  • Kurkuma (in kleinen Mengen in der Schwangerschaft)

  • Heidelbeeren

  • Ingwer

Ihr seht es: zusammengefasst hilft dir ein achtsamer Lebensstil mit einer ausgewogenen, ballaststoff- & vitalstoffreichen Ernährung, deinen Stoffwechsel im Gang zu halten und die Entstehung von Diabetes auch in der Schwangerschaft zu vermeiden.


Tipps zum Vorbeugen von Wassereinlagerungen


  • Bewegung ! Auch hier wieder an erster Stelle. Wie ihr bereits oben gelesen habt: Muskelpumpen unterstützen unsere Venen beim Abtransport von Gewebsflüssigkeit. Mein Tipp #1: Spaziergänge - nicht nur gut für die Beine und Herz-Kreislauf, sondern auch für das Stressmanagement Yoga: Ebenfalls ein Allrounder ! Es fördert weiterhin den Lymphfluss ungemein, stärkt den Beckenboden und schafft gleichzeitig Raum im Becken, um Stauungen hier zu vermeiden.

  • Leichte Wechselduschen (bitte vorsichtig in der Schwangerschaft! Immer bei den Füßen anfangen, Körpermitte zuletzt, und NUR bei stabilem Kreislauf)

  • Beine hochlagern

  • Warme Basenbädern zur Entsäuerung

  • Beine von unten nach oben ausstreichen - am besten sitzend mit nach vorne gestreckten Beinen, da tut ihr direkt dem unteren Rücken etwas Gutes

  • Hoher Eiweiß- & Salzkonsum fördert Ödeme (besonders tierisches Eiweiß!)

  • Übersäuerter Organismus reagiert ebenfalls mit Ödemen - auch hier wieder: ausgewogene, ballast- & vitalstoffreiche Ernährung mit wenig tierischen Produkten!

  • Viel Wasser trinken - auch wenn es verwirrend erscheint :) Es hält das Blut dünn und fördert die Ausscheidung

  • Konsum von natürlichen 'Diuretika' (entwässernde Pflanzen- & Lebensmittel - sie aktivieren den Lymphfluss, erhöhen die Nierentätigkeit, erhöhen die Urinmenge, hemmen Entzündungen und steigern den Blutfluss) Meine Favoriten in der Schwangerschaft: - Brennessel (Immer einen Schwangerschaftstee kaufen, der Brennessel mit dabei hat) - Gurke (Ich entsafte am liebsten - geht auch im Mixer) - Wassermelone

Bei bereits vorliegend starken Wassereinlagerungen empfiehlt sich natürlich das Tragen von medizinischen Stützstrümpfen, wozu dich dein Gynäkologe sicherlich beraten wird.


Das wären meine wichtigsten Tipps und Tricks ! Bei mir haben sie ganz wunderbar geklappt und ich bin sehr dankbar und auch stolz, meine Schwangerschaft in vollen Zügen genießen zu können und voller Energie zu sein (ich bin im 9. Monat, während ich das tippe! ).


Ich hoffe, das Vorwort und die Gemeinsamkeiten der Tipps lassen Euch den 'roten Faden' der ganzen Sache erkennen.


Bei Fragen schreibt mir doch einfach gerne unter info@krikrikri.com .


Alles Liebe und eine wunderschöne, magische Kugelzeit für DICH !


Kris



Quellen:


Genevieve Howland: Mama Natural

Ingeborg Stadelmann: Hebammensprechstunde


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